Muss Naturkosmetik immer zertifiziert sein?

Lavendel für Two Plants

Naturkosmetik aus purer Natur – Das konnte schon Hildegard von Bingen

Naturstoffe werden schon seit langer Zeit in Form von Ölen und anderen pflanzlichen Extrakten zur Körperpflege, Verschönerung und Steigerung des Wohlbefindens verwendet. Hildegard von Bingen (1098 – 1179 n. Chr.). Aber auch heute kommen zum Glück aller Menschen mit empfindlicher Haut und bewussten Verbrauchern immer mehr Naturkosmetikprodukte auf den Markt.

Ist diese Naturkosmetik auch wirklich echte Naturkosmetik?

Klar, jedes kosmetische Produkt muss durch eine Sicherheitsbewertung geprüft und als sicher für den Verbraucher erklärt werden. Diese Sicherheitsbewertungen werden vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt der zuständigen Behörden der jeweiligen Bundesländer kontrolliert. Aber was heißt das dann eigentlich genau?

Die Kosmetikverordnung in Verbindung mit der EU-Richtlinie/Verordnung umfasst die Vorschriften u.a. über die Begriffsbestimmung (Ist es ein Kosmetikprodukt?), die Aufmachung (Kann man das auch erkennen?), Verantwortlichkeiten (Haftung? – Lohnhersteller oder Markeninhaber?), Kennzeichnung (Was ist enthalten?), Anforderung an die Sicherheit (Ist das kosmetische Mittel für den Verbraucher sicher?).

Doch sagt das auch etwas über die Qualität der Naturkosmetik Produkte aus?

Leider nein. Hier wird wirklich nur geregelt, wie alles auszusehen und beschriftet werden muss, damit jeder Verbraucher nachvollziehen kann, wofür das Produkt gedacht ist und wer dafür verantwortlich ist.

So steht in den „Allgemein verbotenen Stoffen“:

„Die in der Anlage 1 aufgeführten kosmetischen Stoffe dürfen bei dem gewerbsmäßigen Herstellen oder Behandeln von kosmetischen Mitteln nicht verwendet werden. Zulässig ist jedoch die Verwendung dieser Stoffe als Hilfsstoffe, sofern sie aus dem kosmetischen Mittel vollständig oder so weit entfernt werden, dass sie darin nur als technisch unvermeidbare und technologisch unwirksame Reste in gesundheitlich unbedenklichen Anteilen vorhanden sind.“

Das heißt also, verbotene Stoffe dürfen doch in Spuren vorhanden sein. Denn viele der verwendeten Rohstoffe entstammen technisierten chemischen Prozessen, bei denen diese Stoffe als Hilfsmittel eingesetzt werden. Auch bei echter Naturkosmetik. Also, darauf muss man beim Einkauf besonders achten!

Der Nachweis der gesundheitlichen Unbedenklichkeit muss natürlich für alle Zutaten erbracht werden. Das führte u.a. zu einer extremen Entwicklung bei den damals bereits stark umstrittenen Tierversuchen. Deren Anwendung für Endprodukte ist in Deutschland seit 1979 verboten. Für die eingesetzten Rohstoffe waren in den folgenden Jahren Tierversuche immer noch zulässig. Wichtig ist also bei der Auswahl Deiner Produkte, zu beachten, dass auch die Rohstoffe, nicht an Tieren getestet werden.

1996 wurde die Coalition for Consumer Information on Cosmetics’ (CCIC), mit ihrem Zeichen, dem „Leaping Bunny“ gegründet. Die Two Plants Produkte entsprechen übrigens allen Bedingungen. Ich hoffe, das ich das Siegel für meine Produkte bald bekomme!

Naturkosmetik vs. Konventionelle Kosmetik: INCI Pflicht für alle

Bei Lebensmitteln ist es für uns selbstverständlich, dass die Inhaltsstoffe in der Zutatenliste aufgeführt werden. Doch wie ist das mit Kosmetikprodukten?  Mit der Begründung der Geheimhaltung der Rezepturen, um ein Nachahmen zu verhindern, wurden die Verbraucher lange Zeit nicht informiert, was denn genau in den Kosmetika enthalten ist. Erst seit 1997 ist die vollständige Angabe der kosmetischen Inhaltsstoffe nach dem INCI-System (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) in der Europäischen Union (EU) gesetzlich vorgeschrieben. Die Grundsprache der INCI ist Englisch, neben den chemischen Verbindungen i.e. chemische Nomenklatur, werden auch botanische Begriffe für Pflanzen, oder Abkürzungen für Mineralien und Farbpigmente verwendet. Für den Fachmann ist die INCI international eindeutig lesbar, für den Verbraucher jedoch eine Fremdsprache. Hier bieten neutrale Übersetzungen in Form einer Datenbank wie www.cosmeticanalysis.com eine ausgezeichnete Möglichkeit die Begriffe nachzuschlagen. Faire Kosmetikhersteller schreiben ihre INCIS aber auch auf Deutsch auf die Verpackung und in die Beschreibung auf der Homepage.

INCI: Ein großes Problem für Naturkosmetikhersteller

Die INCI (Ingredientien/Ingredients) unterscheiden aber grundsätzlich nicht in „synthetisch“ oder „natürlich“, d.h. die Herkunft der Rohstoffe wird damit nicht erkennbar. Nur mit entsprechenden Siegeln kann der Verbraucher den Unterschied zwischen „synthetisch“ und „natürlich“ leichter erkennen. Nur was sagen diese eigentlich aus?

Neben den Grundvoraussetzungen für zugelassene Rohstoffe und Produktionsverfahren sind zwei Klassifizierungen vorgesehen: Bei der COSMOS ORGANIC Zertifizierung muss der Bio-Anteil des Gesamtproduktes auf der Produktverpackung angegeben werden. Zusätzlich kann auch der Bio-Anteil des Gesamtproduktes ohne die nicht Bio-zertifizierbaren Bestandteile (Wasser und Mineralien) angegeben werden. Der NATUR – Standard (BDIH mit COSMOS-Signatur „COSMOS NATURAL“), sieht keine Mindestanteile vor. www.cosmos-standard.org

Der BIO-Standard (BDIH mit COSMOS-Signatur „COSMOS ORGANIC“) mit einem Mindestanteil von 95 % Bio bei den pflanzlichen Bestandteilen und 20 % Mindestanteil Bio im Gesamtprodukt (bezogen auf alle Inhaltsstoffe).

Kann ein Produkt mit Naturkosmetik Siegel vielleicht gar keine echte Naturkosmetik sein?

Du siehst also, selbst diese Siegel sagen eigentlich gar nicht aus, dass es sich um echte Naturkosmetik handelt.

Es wurden mit den Jahren viele Siegel ins leben gerufen, deren Bedingungen eigentlich noch mehr Verwirrungen stiften und meiner Meinug nach (bis auf sehr wenige Siegel) gar nichts darüber aussagen, ob es sich bei einem Produkt mit diesem Siegel auch wirklich um echte Naturkosmetik ohne Chemie handelt. Was bringt mir ein Produkt, dass zu 95 % Natur besteht und das mit einem Siegel zertifiziert wurde. Aber die anderen 5% sind reine Chemie, Emulgatoren, Parabene, …

Du möchtest das mit den ganzen Naturkosmetik Siegeln noch genauer wissen? Dann kannst Du es hier ausführlich nachlesen: MUM-Mark&Medien, Öko-Test Media, 10/12 S.4-5, die Feinheiten der unterschiedlichen Zeichen.

Was ist eigentlich Naturkosmetik?

Meine Definition dazu: Naturkosmetik besteht aus 100% natürlichen Rohstoffen und gar keiner Chemie! Aber da bin ich mit meiner Meinung sehr allein auf dem deutschen Kosmetikmarkt. Klar gibt es ein paar idealistische Hersteller, aber die große Masse und das, was wir in der Parfümerie und unseren Drogerien bekommen ist leider eben keine echte Naturkosmetik.

Hinzu kommen die Massen an Plastikverpackungen, die dort verwendet werden. Was hat Naturkosmetik mit Plastik zu tun? Klar, man kann heute noch nicht ganz darauf verzichten. Ich bin z.B. immer noch auf der Suche nach Spendern und Sprühaufsätzen, die nicht aus Plastik sind. Aber für mich sind Behältnisse aus Glas Pflicht!

Und wo wir gerade dabei sind: Warum verwendet man auch in der Naturkosmetik Rohstoffe, wie Kokosöl, Manukahonig, Palmöl, Arganöl,… aus weit entfernten Ländern? Wie war das noch mit dem fairen energetischen Fußabdruck?

Echte Naturkosmetik ohne Zertifikat

Es gibt Lichtblicke von echter Naturkosmetik. Diese ist aber oft nicht sofort erkennbar, weil nicht mit teuren Labeln zertifiziert. Warum? Weil sich ein kleiner Hersteller das aufwendige
Zertifizierungsverfahren entweder nicht leisten kann, oder seine hochwertigste, pflanzliche Inhaltsstoffe wiederum aus kleinen Betrieben (Ölmühlen, Landwirtschaftsbetriebe, etc.) stammen, die ihrerseits aus denselben Gründen auch kein Zertifikat vorweisen können. Teilweise kommen pflanzliche Inhaltsstoffe auch aus Wildsammlungen die nicht zertifizierbar sind, obwohl sie viel hochwertiger angesehen können als Rohstoffe aus konventionellem Anbau. (Das kann man in den INCIS übrigens auch nicht erkennen.) Also hier bist Du als Verbraucherin gefordert. Schau genau hin, was Du kaufst und stelle ansonsten eine Produktanfrage beim Hersteller, wenn Du das nicht genau auf der Verpackung erkennen kannst, was die Inhaltsstoffe für eine Qualität haben.

Darauf solltest Du verzichten

Für eine gesund Haut und Umwelt solltest bei der Auswahl Deiner Pflegeprodukte auf die folgenden Inhaltsstoffe zu verzichten:

  • Paraffine (Mineralölprodukte) – INCIS: Ceresin, Disopropyl Adipate, Mineral Spirits, Paraffinum Liquidum, Isoparaffin, Hydrogenated Microcrystaline Wax, sohexadecane, Paraffin, Synthetic Wax, Minerla Oil, Petrolatum, Vaseline, Paraffinum-Subliquidum, Cera Micorscristallina, Microscrystaline, Wax oder Ozokerit
  • Silikone – zu erkennen an den Endungen „-cone“ und „-siloxane“ zu erkennen. Silikone sind hautirritierend und bleiben auf Haar und Kopfhaut einfach haften, solange sie nicht mit scharfen Reinigungsmitteln abgewaschen werden
  • Parabene – Parabene sind Konservierungsmittel und enthalten und im Namen Begriffe wie „-paraben“ wie etwa Methylparaben, Ethylparaben,Propylparaben, Tutylparaben, Osobtylparaben, Isopropylparaben und Phenylparaben
  • Sulfate – Sulfate eignen sich hervorragend, um beispielsweise Industrieböden zu entfetten und zu reinigen. Vermeide jedoch die regelmäßige Anwendung auf der Haut. Sulfate sind viel zu aggressiv und hinterlassen nachhaltige Hautirritationen (SLS, SLES).
  • synthetischen Vitamine –  nicht immer einfach zu erkennen, meist kann man ihnen auf die Schliche kommen, wenn sie Endungen wie „-die“ oder „-ate“ tragen, manchmal auch an der Vorsilbe „dl“.
  • Künstliche Duftstoffe – rufen oft Allergien hervor
  • Sorry, diese Liste ist noch unvollständig! Aber prüfe bitte genau die Inhaltsstoffe. Jeder Hersteller ist verpflichtet, die Inhaltsstoffe seiner Produkte anzuführen und zwar nach ihrem Gewichtsanteil in abnehmender Reihenfolge.Das bedeutet, dass von jenen Zutaten, die weiter vorne stehen, mehr enthalten ist. Wenn ganz vorne also „aqua“steht, besteht das Produkt zum großen Teil aus billigem Wasser.
  • Achtung:
    Inhaltsstoffe mit weniger als 1% Gewichtsanteil müssen vom Gesetzgeber her nicht angeführt werden. Das nutzen viele Hersteller aus, um bedenkliche Stoffe unerwähnt zu lassen.

Ich hoffe, ich konnte ein bisschen Licht in den Naturkosmetik Dschungel bringen. Du hast noch Frage? Die kannst Du gleich hier unten in den Kommentaren stellen! 

Liebe Grüße, Christiane

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